Blaues Blut und Druckerschwärze

In den letzten fünf Jahren intensivierte die Esterházy Privatstiftung die Beziehungen zu den osteuropäischen Nachbarländern – vor allem auf kultureller Ebene. Beispielhaft dafür ist die Buchausstellung „Blaues Blut und Druckerschwärze“. Ein Gemeinschaftsprojekt der Nationalbibliotheken der Slowakei, Kroatiens und Ungarns sowie der Bibliotheca Esterházyana der Esterházy Privatstiftung.

Die Verbreitung der Buchdruckerkunst nach 1452, die durch das Erscheinen von Gutenbergs Bibel ausgelöst wurde, muss in Europa als ein explosionsartiges Ereignis angesehen werden. Plötzlich war es einer wachsenden Zahl von Gelehrten und Adeligen möglich, Lesestoff zu erwerben, der zuvor fast ausschließlich in Klöstern zu finden war. Mit dem Einsetzen der geistesgeschichtlichen Strömung des Humanismus gehörte die Bibliothek zum festen Kanon des Gelehrten, diente dem Nachdenken und Experimentieren, war Statussymbol, intimer Rückzugsort und das darin gesammelte Wissen galt als Schlüssel zur Macht.

Bibliotheken im pannonischen Raum

Von den sich in Mitteleuropa bildenen Bibliotheken der Frühen Neuzeit im vielumkämpften pannonischen Raum ist wenig bekannt. Das Fehlen eines geistigen Zentrums in Ungarn hinderte diese Entwicklung, die mit der Bibliothek König Corvinius einen ersten Höhepunkt erreicht hatte und mit der Eroberung Budas 1541 beendet schien. Dass der ungarische Adel dennoch eine beachtliche Zahl von Büchersammlungen begründen konnte, zeigt die Ausstellung, die in Zagreb, Budapest, Martin und Eisenstadt zu sehen sein wird.

Bibliotheca Esterházyana
Die Familie Esterházy und der Esterházy Privatstiftung sind die Bestände der Bibliotheca Esterházyana, der frühbarocken Büchersammlung der Palatine Nikolaus Graf und Paul I. Fürst Esterházy, besonderer Schatz und große Verpflichtung. Als nahezu zur Gänze erhaltene Büchersammlung dieser Zeit im damaligen Königreich Ungarn nimmt die Bibliothek der Familie Esterházy eine besondere Stellung unter den, im Ausstellungsprojekt präsentierten, Sammlungen ein; zudem ist sie bis heute als einzige im ursprünglichen Privatbesitz erhalten geblieben.

Graf Nikolaus und Fürst Paul
Als Grundstein der, über drei Jahrhunderte gewachsenen, heutigen Esterházybibliothek in Eisenstadt ist sie Spiegel der Begründer der heutigen Fürstenfamilie: Graf Nikolaus und Fürst Paul. Die Bestände künden vom fast gleichberechtigen Nebeneinander von religiös-nonkonformistischen und reformatorischen Gedankengut unter Graf Nikolaus in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und vom breiten Wissen und Interessenfeld des barocken »uomo universale« Fürst Paul in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts.

Ausstellungsprojekt
Reich bebildert werden im Ausstellungsprojekt der breiten Öffentlichkeit unbekannte Büchersammlungen vorgestellt und in den Kontext der Zeit gebracht. Die Bücher der erstmals in dieser Form betrachteten Bibliotheken des ungarischen Adels belegen den hohen Stand der Bildung im Raum des Kapartenbeckens und sind Spiegel der politischen und religiösen Umwälzungen der Frühen Neuzeit. Das Projekt zeugt von der großen gemeinsamen Vergangenheit der heutigen Staaten in Mitteleuropa und ist für die beteiligten Sammlungen und Nationalbibliotheken in Österreich, Ungarn, der Slowakei und Kroatien öffentlichkeitswirksames Zeichen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Europa.

Inkunabel (Wiegedruck) aus der Bibliotheca Esterházyana

Bucheinband von 1565

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last update 02.04.2007