In den Depots der Sammlungen der Fürsten Esterházy schlummerte während Jahrhunderten ein einmaliger europäischer Schatz. Die Esterházy Ahnengalerie ist heute die größte barocke Familienbilder-Galerie Mitteleuropas.
Die fast 300 Exponate der Ahnengalerie und mit ihr die Zimelien der Esterházy Schatzkammer zeugen von Stand und Würde der damals in der Habsburgermonarchie aufstrebenden Fürstendynastie.
Seit der Spätrenaissance waren Ahnengalerien ein geeignetes Mittel, Stand und Würde einer Familie zu legitimieren. Besonders im osteuropäischen Raum – so in Ungarn und Polen - fällt im 17. Jahrhundert das Bemühen der Adeligen auf, ihre Vorfahren zu den althergebrachten Gestaltern des Landes zu stilisieren.
1. April bis 31. Oktober 2009, täglich
10.00–18.00 Uhr
Kassaschluss 17.00 Uhr
Der Besuch der Ahnengalerie ist mit und ohne Führung möglich.
Es ist ein Begleitheft in deutsch und ungarisch erschienen.
Burg Forchtenstein
Melinda-Esterházy-Platz 1
7212 Forchtenstein
T +43(0)2626/812 12
F +43(0)2626/815 11 13
burg-forchtenstein@esterhazy.at
Die Esterházy Ahnengalerie.
Eine barocke Augenlust.
BILDER DER FEIERLICHEN ERÖFFNUNG

Raumeinblick in die Ausstellung
Für die seit dem frühen 17. Jahrhundert gesellschaftlich, politisch und ökonomisch rasant aufsteigende Familie Esterházy war es also nahezu unentbehrlich, Macht und Einfluss der Magnatendynastie im mitteleuropäischen Raum durch eine entsprechende Ahnengalerie zu legitimieren.
Die Esterházy Ahnengalerie auf Burg Forchtenstein umfasst heute mehr als 230 Gemälde mit Familienbildern, welche einstmals in den verschiedenen Schlössern der Familie zu finden waren. Hinzu kommen Bilder geistlicher und weltlicher Herrscher, Stammbäume und sogar Bilder der Lieblingshunde des Fürsten.
Die Esterházy Ahnengalerie ist heute eines der wenigen vollständig erhaltenen Ahnengalerie-Projekte des Barock. Sie zeigt zusammen mit der Schatzkammer das Selbstverständnis der Esterházy, in Forchtenstein Stand, Würde und Ansehen der Familie zu repräsentieren.
Die Repräsentationsräume der Burg mit ihren Ausmalungen, die opulenten Barockmöbel und die Farbenpracht der ungarischen Roben auf den Gemälden lassen den Besuch der Esterházy Ahnengalerie zu einem Fest barocker Augenlust werden.
Da die Herkunft der Familie zu Beginn des 17. Jahrhunderts weitgehend unbekannt war, wurden Lücken in der Ahnenreihe durch zum Teil abenteuerliche genealogische Herleitungen gefüllt. So waren die Ahnen der Familie Esterházy bis in die Zeit der ungarischen Landnahme nachweisbar.

Kinderbildnis von Stephan Esterházy
Die erste von Nikolaus Graf Esterházy (1582 – 1645) im Jahr 1620 beauftragte Genealogie, kurz vor seiner Wahl zum Palatin von Ungarn, beweist die gesellschaftliche Relevanz »echten Blutes«.
Die Porträts der Kinder des Grafen von 1618 sind die frühesten Familienbilder der Esterházy Ahnengalerie und zugleich die frühesten Kinderbildnisse in der Kunst Ungarns
Von der internationalen Bedeutung Graf Nikolaus’ zeugt das Bildnis des spanischen Botschafters von 1640. Mit der Wahl Esterházys zum Palatin von Ungarn war dieser mit einem Paukenschlag an den Höfen Europas bekannt geworden.
Mit dem spanischen Gesandten in Wien, Marquis de Castañeda, verband Nikolaus eine besondere Freundschaft. Im Sendschreiben seines Portraits für die Galerie der Familie gibt Castañeda seiner Hoffnung Ausdruck »dem Bild in Eurem Schloß einen Platz gnädigst einzuräumen«.
Die Lücken in der bekannten Ahnenfolge der Esterházy wurden selbstbewusst bis zu Estoras, dem legendären Gründer der Familie, und noch weiter bis zu Hunnenkönig Attila und den Fürsten der Landnahme Ungarns um 900 mit sog. Phantom-Ahnen »aufgefüllt«. Fehlten den barocken Geschichtsschreibern in der Genealogie Vorfahren war dies probates Mittel.

Vlad III. Tepes, »Dracula«, ein Phantom-Ahne der Esterházy Ahnengalerie
Die bildliche Darstellung von »Phantom-Ahnen« in einer Reihe von über 30 lebensgroßen Gemälden in der Esterházy Ahnengalerie ist allerdings einzigartig.
Stammbäume und eine gedruckte Genealogie vervollständigen dieses Kapitel der Familienforschung des Hauses Esterházy. Zeitgenössische Kupferstichwerke zeigen die bildnerischen Vorbilder für die Darstellungen der frei erdachten Vorfahren.
Kurios erscheinen die Bergkristallkugel und eine wertvolle Augsburger Uhr, in welchen sich - dem Fürsten Paul zufolge - die Geister der Familie Habsburg und Esterházy befinden.
Mit enormem Detailwissen der Geschichte und perfider Intelligenz bahnte sich der junge Graf und spätere Fürst Paul (1635 – 1713) den »Esterházyschen« Weg durch die Stammbäume Europas, wobei es fast programmatisch erscheint, die Esterházy zum Vermittler von Ost und West zu stilisieren.
So findet sich nicht nur das englische Königshaus in der Stammfolge, italienische Grafen und kroatische Fürsten, sondern auch Vlad III. Tepes, der als Graf Dracula besondere Berühmtheit erreichte. Sein Portrait ist das einzige ganzformatige Bildnis des Walachischen Woiwoden und zeigt den „Pfähler“ mit von erschrockenen Besuchern bereits vor 100 Jahren ausgekratzten Augen.
1670 wurde die erste Gruppe von ganzfigurigen Bildern für eine Esterházy Ahnengalerie in Auftrag gegeben. Aus dem Inventar des Schlosses Eisenstadt, wo der Großteil der Bilder beheimatet war, lassen sich mehr als 230 Familienbilder ermitteln.
Natürlich blieben auch Fürst Pauls Kinder, es waren insgesamt 26, in allen Lebens- und Alterstufen nicht unabgebildet - belegte Paul damit doch den Fortbestand seiner Dynastie.
Hinzu kommen Galerien von Fürsten, Kaisern, Königen, Päpsten, Palatinen, Stammbäume und sogar Bilder der Lieblingshunde des Fürsten.
Diese Manie, alles und jeden von Rang und Namen an den Wänden des Schlosses zu präsentieren, entspricht ganz dem Zeitgeist, scheint jedoch von Palatin Paul in einem besonderen Ausmaß betrieben worden zu sein.
Zu den Glanzlichtern der Dauerpräsentation und Höhepunkten der europäischen Kunstgeschichte zählt das komplett mit barocken Silbermöbeln eingerichtete Zimmer, dessen Zentrum der Prunktisch des Augsburger Goldschmieds David I. Schwestermüller von 1665 zählt.