Die Esterházy Schatzkammer.
Die Kunst- und Wunderkammer der Familie Esterházy

»Ich besitze einige Seltenheiten in meinem, wie man gewöhnlich sagt: Cabinetum oder Kunstcamer…«, so beschreibt Paul I. Fürst Esterházy in seinem Testament (1685) die Schatzkammer auf Burg Forchtenstein.

Glanzlichter der Esterházy Schatzkammer.

Der letzten kompletten Kunstkammer


Errichtung um 1642
Die Kunst- und Wunderkammer der Familie Esterházy wurde im Zuge des Ausbaues der Burg Forchtenstein um 1642 von Palatin Nikolaus Esterházy errichtet - wohl als sicherer Aufbewahrungsort für kostbare Erbstücke, die reiche Mitgift seiner beiden Gattinnen und Objekte, die er selbst erworben hatte. Diese Kostbarkeiten waren in 13 Kisten verschlossen. Ein Inventar aus dem Jahr 1642 gibt genaue Informationen über den Inhalt.

Schatzkammer Burg Forchtenstein Esterhazy

Die Wappentür der Esterházy Schatzkammer auf Burg Forchtenstein

Verborgenes Gewölbe

Sein Sohn Paul Esterházy vermehrte die Schätze, systematisierte sie und ließ ab 1690 einen eigenen Trakt in der Burg errichten. Dem Typus der Kunst- und Wunderkammer der Spätrenaissance folgend - wie sie auch Kaiser Rudolph II. in Prag und Erzherzog Ferdinand in Ambras besaßen – verwahrte er seine Schätze in zwei verborgenen Gewölben in einer Enfilade von schwarz-goldenen Schränken.

Über 10.000 Einzelstücke

Von der Decke hängen exotische Tierskelette die zu einem Drachen arrangiert sind. In den Schränken reihen sich Goldschmiedearbeiten, Drechselkunst aus Elfenbein, Steinschneidearbeiten, Pretiosen, gefasste und ungefasste Naturalien und Edelsteine, Uhren, Textilien und Prunkwaffen, sowie die Türkenbeute in systematischer Abfolge aneinander. Zahlreiche zeitgenössische Inventare geben Auskunft über den Umfang der Sammlung, die weit über 10.000 Einzelstücke aufwies.

Zerstörung von Teilen der Sammlung

Während die berühmten Schatzkammern Europas, die vorbildhaft für die Forchtensteiner waren, zerstört, veräußert oder aufgelöst wurden, überdauerte die Esterházy Schatzkammer fast vier Jahrhunderte lang sämtliche Kriege und sonstige Gefahren. In dieser wechselvollen Geschichte gelangte 1921 ein Teil der Kunstschätze in das Kunstgewerbemuseum nach Budapest, wo sie bis Anfang der 1940er Jahre ausgestellt waren.
Um sie vor der Plünderung oder Zerstörung in den Kampfhandlungen um Budapest zu retten, verfügte Fürst Paul V.die Unterbringung in den Kellergewölben seines Palais auf dem Budaer Burgberg. Eine folgenschwere Entscheidung, denn das Palais wurde bombardiert, die Schätze lagen in den erhaltenen aber verschütteten Kellern des Palais.

Da Fürst Paul 1946 im Rahmen des politisch motivierten Schau- und Unrechtsprozess vom kommunistischen Regime gefangen gehalten wurde, konnte er erst bei seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft, die Nachricht von den Forchtensteiner Schätzen in den Palaiskellern verbreiten. Inzwischen waren jedoch Abräumbagger beim Versuch des Abrisses der Palaisruinen in die Kellergewölbe eingestürzt und hatten die Kisten mit den Schätzen erdrückt. Die wertvollen Objekte lagen mehrere Jahre unter dem Schutt begraben, ehe sie vom ungarischen Staatsdenkmalamt 1948 geborgen wurden. Gut 60% dieses Bestandes ging unwiderbringlich verloren. Der verbliebene Rest der nach Ungarn verbrachte Teil der Esterházy Schatzkammer befindet sich heute im Kunstgewerbemuseum in Budapest.

 

Erstmalige Öffnung der historischen Schatzkammer

In den in den letzten Jahren erfolgten Sonderausstellungen und die Geheimnisse der Esterházy-Schatzkammer wurden schrittweise gelüftet. Die Objekte wurden den Besuchern unter verschiedenen thematischen Schwerpunkten präsentiert und gewürdigt. 2005 werden unter dem Titel »Räume öffnen sich. Die Esterházy Schatzkammer« die historischen Räume der Esterházy Schatzkammer, welche weltweit einzigartig sind, erstmals für Besucher geöffnet. Bei der Präsentation der Esterházy Schatzkammer wurde darauf geachtet, dem Besucher ein möglichst unverfälschtes Bild einer barocken Kunst- und Wunderkammer zu bieten. Aus diesem Grund wurde auf moderne Einbauten und Installationen weitgehend verzichet.

©2004–2010 Esterházy Betriebe GmbH
last update 30.03.2007